LARS J. LANGE


Komponist, Arrangeur, Musiker, Autor

 

Lieblingsopern

L'Amour des Trois Oranges

Sergej Prokofjew (Text nach Carlo Gozzi)

Ich mochte diese Oper schon lange Zeit sehr gern, aber erst seit Homokis ebenso quietschbunter wie großartiger Inszenierung an der Komischen Oper zählt sie zu meinen Lieblingsopern.

Ariadne auf Naxos

Musik: Richard Strauss / Text: Hugo von Hofmannsthal

"I would like to admit all Strauss operas to whichever purgatory punishes triumphant banality. Their musical substance is cheap and poor; it cannot interest a musician today. That now so ascendant Ariadne? I cannot bear Strauss' six-four chords: Ariadne makes me want to scream." (Igor Strawinsky, in: Igor Strawinsky & Robert Craft, Conversations with Igor Strawinsky, New York 1959)
Naja, Strawinsky ist zwar einer meiner Lieblingskomponisten, aber ich mag die Oper trotzdem gern - und stehe damit relativ allein auf weiter Flur... Die Idee, dass ein Komponist gezwungen wird, seine opera seria aus Gründen der Zeitersparnis gleichzeitig mit einer opera buffa aufzuführen, stellt doch im Grunde eine fast schon Adornosche Kritik an der Kulturindustrie dar. Da passt es doch sehr gut, dass ich die Oper ausgerechnet in der Metropolitan Opera in New York City gesehen habe, die ja schon so etwas wie ein Tempel der Kulturindustrie ist...

Don Giovanni

Musik: Wolfgang Amadé Mozart / Text: Luigi Da Ponte

"Es ist die letzte große Musik, die geschrieben worden ist. Gewiß, es kam noch Schubert, es kam noch Hugo Wolf, und auch den armen herrlichen Chopin darf ich nicht vergessen. Sie runzeln die Stirn, Maestro - o ja, auch Beethoven ist ja da, auch er ist wunderbar. Aber das alles, so schön es sei, hat schon etwas von Bruchstück, von Auflösung in sich, ein Werk von so vollkommenem Guß ist seit dem Don Giovanni nicht mehr von Menschen gemacht worden." (Harry Haller zu Mozart, in: Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Frankfurt am Main 1955, S.223)
Vielleicht hebt Haller die Oper auf einen gar zu hohen Sockel, aber immerhin ist es wahr, dass bereits bei Beethoven die romantische Tendenz zur Auflösung vorhanden war, die wohl im "Tristan-Akkord" Wagners und der Musik des Fin de Siècle gipfelte und schließlich - man könnte sagen, wieder bergab - zur Atonalität führte.
In jedem Falle hat Mozart aber eine tolle Oper geschrieben...

Don Quichotte

Musik: Jules Massenet / Text: Henri Cain (nach Le Lorrain)

Mit einem kleinen Augenzwinkern kann ich folgendes Diktum durchaus unterschreiben: "Blühende Melodik zeichnet seine Opern aus. Geschmack und handwerkliches Können wirken ausgleichend gegenüber der Neigung zu übertriebener Sentimentalität." (Gerhart von Westerman und Karl Schumann, Knaurs Opernführer, München 1957, S.170)

L'Enfant et les sortilèges

Musik: Maurice Ravel / Text: Colette

"Maurice Ravel, 1875-1937, hat nur eine Oper hinterlassen, die reizende Komödie Die spanische Stunde." (Gerhart von Westerman und Karl Schumann, Knaurs Opernführer, München 1957, S.173)
Nun, damit unterschlägt man uns eine andere reizende Oper, nämlich diese kleine "Fantaisie lyrique", die meines Erachtens eine der witzigsten und spritzigsten Kompositionen des eigentlich immer witzigen und spritzigen Franzosen ist.

La Fanciulla del West

Musik: Giacomo Puccini / Text: Guelfo Civinini und Carlo Zangarini nach David Belasco

"Trotz großer Schönheiten, trotz sensationeller Aufmachung konnte diese Oper [1910 in New York, Anm. des Autors] nicht annähernd die Begeisterung erwecken, wie man sie so oft von Puccini-Premieren gewohnt war." (Gerhart von Westerman und Karl Schumann, Knaurs Opernführer, München 1957, S.284)
Seltsam, seltsam, ist die Oper doch meines Erachtens eine der hin- und mitreißendsten Puccinis und hat auch Andrew Lloyd Webber zu einigen seiner besten Melodien "inspiriert" - man vergleiche nur einmal "Quello che tacete" aus dem ersten Akt mit "Music of the Night" aus "The Phantom of the Opera"...

Les Huguenots

Musik: Johann Liebmann Meyer "Giacomo Meyerbeer" Beer / Text: Eugène Scribe

Lange Zeit kannte ich Meyerbeer nur durch Wagners Epigonentum in seinen frühen Opern - vor allem in den später von ihm verleugneten (z.B. "Rienzi"). Aber irgendwann fiel mir auf, dass auch die Opern des Originals ebenso groß wie großartig sind. Und wie Meyerbeer hier "Ein feste Burg ist unser Gott" verarbeitet, ist wunderbar...

Die Meistersinger von Nürnberg

Richard Wagner

"Ich hörte, wieder einmal zum ersten Male - Richard Wagner's Ouverture zu den Meistersingern: das ist eine prachtvolle, überladene, schwere und späte Kunst, welche den Stolz hat, zu ihrem Verständniss zwei Jahrhunderte Musik als noch lebendig vorauszusetzen [...]." (Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, Berlin 19882, S.179)
Man kann die Meistersinger mit Nietzscheschem Schwulst umschreiben, man könnte sie auch als Wagners einzige Operette bezeichnen, man kann die circa sechs Stunden Musik aber auch einfach genießen...

Peter Grimes

Musik: Benjamin Britten / Text: Montague Slater (nach George Grabbe)

Die "Sea Interludes" kennt wohl fast jeder, die komplette Oper schätzen aber offenbar zu wenige Menschen: In der Komischen Oper war bereits die zweite Aufführung der aktuellen Inszenierung euphemistisch ausgedrückt nur halb ausverkauft! Dabei hatte sie mit ihrem Fußmatten-Overkill durchaus einen gewissen Charme.

Platée

Jean-Philippe Rameau

Rameau ist trotz seiner Fundamentbasstheorie intellektuell nicht so anstrengend wie Bach und nicht so dröge wie Händel - einfach witzige, spritzige Barockmusik mit einer völlig bescheuerten und darum mir sehr sympathischen Handlung...

The Rake's Progress

Musik: Igor Strawinsky / Text: W.H. Auden

Was für eine unglaubliche Oper! Mozart, Rossini, Bach - alle werden irgendwie gewürdigt, und das Ganze klingt dann wie Gilbert & Sullivan auf Drogen...

Salomé

Musik: Richard Strauss / Text: Oscar Wilde (übersetzt von Hedwig Lachmann)

Was soll man über diese Oper sagen, außer dass sie "Zuhörer und Zuschauer vom ersten bis zum letzten Takt atemlos in Spannung hält" (Hans Schnoor, Oper, Operette, Konzert, Gütersloh 1955, S.440)?

Siegfried

Richard Wagner

"Mit einem Griff zergreif' ich den Quark!" (Siegfried, Erster Akt)
"Nichts von allem, nicht einen Nagel sollst du dir nehmen!" (Alberich, Zweiter Akt)
Das sind meine beiden Lieblingszeilen aus der Oper.

The Turn Of The Screw

Benjamin Britten